Rezension: Wenn du zurückkehrst – Nicholas Sparks

[Werbung | Rezensionsexemplar]

Trevor ist 32 und an einer Wegscheide in seinem Leben angekommen. Da stirbt sein Großvater und hinterlässt ihm sein heruntergekommenes Cottage in North Carolina – samt riesigem wildwucherndem Garten und zwanzig Bienenstöcken. Trevor beginnt das Haus wieder instand zu setzen und kümmert sich mit Begeisterung um die Bienenvölker. Und er lernt zwei geheimnisvolle Frauen kennen, die ihn beide auf ganz unterschiedliche Weise in ihren Bann ziehen: die Polizistin Natalie, zu der er sich sofort hingezogen fühlt, die seine Gefühle auch zu erwidern scheint – und die sich doch nicht an ihn binden kann. Und die Jugendliche Callie, die sich ganz allein durchs Leben schlägt und offensichtlich mit schwerstwiegenden Problemen kämpft. Kann Trevor Callie retten und Natalie für sich gewinnen?
(Quelle)

Verzeihen heißt nicht, dass man vergisst oder dass man sich nicht mehr wünscht, die Vergangenheit ändern zu können. Hauptsächlich bedeutet es zu akzeptieren, dass man nicht perfekt ist, weil niemand das ist.

Voller Vorfreude habe ich auf den 22. Juni gewartet, den Tag an dem endlich wieder ein Nicholas Sparks Buch erschien. Man muss wissen, Nicholas Sparks ist für mich ein Held. Er schreibt die schönsten Liebesgeschichten und allen voran die schönsten Epiloge. Mit „Zeit im Wind“ hat damals alles angefangen. Ich war hin und weg. Sparks konnte unglaublich viel Gefühl durch ein paar Zeilen vermitteln. Seine Zeilen trafen mich genau im Herzen. Deswegen stand es auch außer Frage, ob ich seinen neuen Roman lesen würde oder nicht.
Umso glücklicher war ich, als Lovelybooks mich für ihre Leserunde zu „Wenn du zurückkehrst“ ausgewählt hat.

Ich konnte es kaum erwarten, wieder in die idyllische Welt, die Sparks schafft, einzutauchen.
Ich liebe besonders die Kulisse, die er immer wieder erschafft, die Charaktere und die Gefühle, die man bis in die Fingerspitzen fühlt.
Das Cover ist mal wieder wunderschön, mit all den Wildblumen und der endlos scheinenden Weite. Einfach ein typisches Nicholas Sparks Cover.

In „Wenn du zurückkehrst“ geht es um die drei Protagonisten: Trevor, Natalie und Callie.
Trevor, aus seiner Sicht wird übrigens die Geschichte erzählt, ist ein ehemaliger Chirurg, der an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Er hat schon viel in seinem Leben erlebt und versucht dieses gerade wieder auf die richtige Bahn zu lenken. Gerade mit dem Thema der PTBS hat Sparks ein interessantes Thema aufgegriffen und meines Erachtens doch zu wenig ausgeschöpft. Ich hätte es schön gefunden, wenn er dieses Thema vertieft und es noch mehr in seiner Geschichte eingebaut hätte. Vielleicht hätte ich dann auch eine Bindung mit Trevor aufbauen können. So jedoch bin ich nicht mit ihm warm geworden, da war mir einfach zu wenig Gefühl und zu wenig Tiefgang. Ich mag zwar die Momente sehr, in denen er an seinen Großvater zurückdenkt, denn man spürt da schon die innige und voller Liebe erfüllte Bindung zwischen den Beiden, doch reicht mir das nicht für das Gesamtpaket und für den Verlauf der Geschichte. Ich bin auch kein großer Fan davon, wenn man sich vom Hauptprotagonisten angesprochen fühlt. (Beispiel: „Manchmal gibt es einfach nichts Besseres. Verstehen Sie, was ich meine?“)
Ähnlich wie mit Trevor ergeht es mir mit Natalie und Callie. Ich bin einfach im gesamten Buch nicht mit den Charakteren warm geworden. Natalie hat bei mir immer nur ein großes Fragezeichen ausgelöst. Sie ist eigentlich durchgängig sehr mysteriös und teilt nicht viel aus ihrem Leben mit. Auch als Leser lernt man sie nicht wirklich kennen, dass mag aber auch an dem Schreibstil liegen, da wir nie ein Kapitel aus ihrer Sicht bekommen. Sie taut zwar im Laufe der Gesichte ein wenig auf, verschließt sich aber umso schneller wieder. Auch Natalie trägt eine ordentliche Last mit sich und dennoch, obwohl ich dies versuchte zu berücksichtigen, ging sie mir manchmal ordentlich auf den Zeiger. Sie hat einfach eine zu große Moral, um auch mal an sich und ihr Leben zu denken.
Zwischen Trevor & Natalie kommt auch null Gefühl rüber. Erst verläuft es schleppend, was gar nicht schlimm ist. Doch dann urplötzlich geht es mir einfach viel zu schnell und ich bekam beim Lesen das Gefühl ich hätte ein paar Seiten verpasst. (Ich hab tatsächlich zurück geblättert um mich zu überzeugen, dass ich keine Seite vergessen hatte zu lesen) und dann wieder – NICHTS.
Ich meine Nicholas Sparks ist bekannt für Romantik, Gefühl und Emotionen, aber die habe ich dieses Mal nicht gefunden. Hier geht es eher darum das Rätsel um Trevors Großvater zu lösen und was Callie mit diesem besagten Rätsel zu tun hat.
Callie, von der man erst zum Ende hin etwas mehr erfährt und für mich der interessanteste Charakter dieser ganzen Geschichte ist, hat meiner Meinung nach einfach schon von Anfang an einen größeren Stellenwert in diesem Buch verdient. Ihr Schicksalsschlag hat mich wirklich beim Lesen berührt und ich hätte ihr am liebsten ihren Schmerz genommen. Trevor hat sich gegenüber Callie auch sehr väterlich gezeigt, obwohl sie sehr distanziert gegenüber anderen ist. Er hat sie nie fallen gelassen und das schätze ich an seinen Charakter wirklich sehr. Er ist einer von den Guten!

Mein Highlight in diesem Buch war tatsächlich die Geschichte und die ganzen Informationen über die Bienen. Die Szene, in der Trevor Natalie ein wenig über den Honig und seine Herkunft und allem drum und dran erzählt, hat mich fasziniert und gehört zu meinen liebsten Stellen. Ich bekam nach dem Kapitel direkt Lust eine Dokumentation über Bienen zu schauen. (Ich kann euch diese kurze Doku empfehlen: Hier klicken)
Aber nichts geht über den Epilog. Sparks schreibt für mich einfach die Schönsten. Alles ergibt plötzlich einen Sinn und alle Handlungsstränge führen zu einem und ein wunderschönes Ende entsteht, dass mal wieder Filmreif ist.


Fazit: Für mich ist „Wenn du zurückkehrst“ eher eine der schwächeren Nicholas Sparks Geschichten. Das Buch konnte mich nicht wirklich abholen und auf eine romantische Reise voller Gefühle mitnehmen. Jedoch habe ich gerne zusammen mit Trevor die einzelnen Puzzelteile zusammengesetzt, um das Rätsel um seinen Großvater herauszufinden. Als Nicholas Sparks Fan sollte man sich auf jeden Fall ein eignes Bild von seinem neuen Roman machen.
Für alle anderen Leser, eine Empfehlung für eine schöne Sommelektüre so für Zwischendurch, denn unterhalten gefühlt habe ich mich trotzdem.
Das Buch bekommt von mir schweren Herzens nur 3/5 Sterne vor allem aufgrund des Aspekts, dass ich erst ab Kapitel 14 in den bekannten Lesefluss gekommen bin und es sich zwischenzeitlich echt gezogen hat.

Das Leben bietet uns immer wieder die Chance, eine neue Richtung einzuschlagen, und dadurch wachsen wir und verändern uns; wenn wir in den Rückspiegel sehen, erhaschen wir einen Blick auf ein früheres Ich, das wir womöglich zeitweise gar nicht mehr erkennen.

Autor: Nicholas Sparks
Seiten: 448 Seiten
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 22.06.2020
Preis: 20€ Hardcover (eBook 15,99€)